Französisch in Wien
Moden verändern sich mit der Zeit und das gilt auch für Sprache. Heute wird gegoogelt und consultet, früher wurde flaniert und chauffiert. Lange Zeit galt das höfische Französisch als das Um und Auf und jeder, der was auf sich hielt, verwendete französische Ausdrücke in seinem wienerischen Deutsch. Benutzt man in Deutschland vielleicht einen Bürgersteig, geht man in Ostösterreich heutzutage auf einem Gehsteig, doch ist man ein alteingesessener Wiener wie ich, dann schwebt man über das Trottoir. Lampen hängen am Plafond anstatt der Decke, und Alleinstehende wohnen in einer Garcionerre. Vielerorts brunzen Männer in ein Pissoir, aber nur in Wien hat jemand mit einem großen Mund eine Lavourpapp’n – Also einen Mund so groß wie eine Waschschüssel. Komischerweise ist eine Waschschüssel allein aber ein Lavoir. Gott waren wir nobel, als wir uns damit gewaschen haben!
Besonderen Gefallen finde ich an den Wiener Leichenbestattern, werden sie doch nach dem Französischen Pompes funèbre (ein eher luxuriöses Begräbnis), wunderschön eingewienerischt Pompfinewara genannt. Ach, ist das nicht herrlich? Außerdem kümmern sie sich um die Toten, egal, wo man sie zurücklässt und halten Friedhöfe gut organisiert und sauber. Ein Hoch auf meine lieben Pompfinewara!
Verbissene Grüße, Eure Margarete mit den spitzen Zähnen