Red’s in a Sackerl
“Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.” Warum nicht? Weil man anhand der Zähne das Alter eines Pferdes bestimmen kann und man gefälligst froh sein soll, ein Pferd zu geschenkt zu bekommen, egal wie alt es sein mag. Pferdemädchen werden das verstehen. Ich liebe Sprüche dieser Art und sie interessieren mich in allen möglichen Sprachen, weil sie oft Witz versprühen. Ich mag die altmodischen, deren ursprünglicher Sinn am Verlorengehen ist, ich mag die Sprüche, die sich über Jahrhunderte schon durchsetzen und ich liebe neue Redewendungen, die gerade am Entstehen sind. Sprache ist ein Abenteuer.
Ich liebe natürlich auch besonders die Wienerischen Redewendungen, die mir ans Herz gewachsen sind. “Gemma auf’d Bluatwiesn?” (Gehen wir auf die Blutwiese?) bringt zum Beispiel Vampire zum Kichern. Wir lieben Sprüche die das Wort Blut enthalten - ja, auch Vampire können kindisch sein. Der Spruch ist eine Aufforderung zum Kampf im Übrigen und nicht eine Einladung zum Buffett, wie es für meine Vampirohren klingt. Eine andere Redewendung, der ich viel Liebe entgegen bringe, ist: “Red’s in a Sackerl und stö’s ma vua’d Tia!” (Spreche es in einen Beutel und stell mir den vor die Türe!). Eine wundervolle Aufforderung! Was du sagst interessiert mich so wenig, dass du es genauso gut in ein Sackerl reden kannst und es mir vor die Tür stellen kannst zum später anhören. Ach, herrlich!
Sackerl gehört zu den ganz wichtigen österreichischen Worten, die man schnell bei der Einreise lernen muss. Nach einer Tüte zu verlangen ist ein absolutes No-go. In eine Tüte kommen allerhöchstens Eiskugeln hinein und das ist schon ein Kompromiss zum Stanitzel, wie ich es immer noch gern nenne, wenn ich jemandem ein Gelato besorg. Ich kann selbst entscheiden bei welchen neuen Trends ich mitmache und wo ich mich stur stelle.
In lieblichen Grüßen verweile ich,
Eure Margarete mit den spitzen Zähnen